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Brügge sehen ... und sterben?
 

Diese rabenschwarze Tragikomödie wurde in einer Stadt gedreht, die bisher bestimmt niemand mit einem Kinofilm in Verbindung bringen würde. Brügge sehen und sterben? - wer auf finstere mittelalterliche Kirchen und Gemäuer steht, für den mag das gelten. Die beiden englischen Auftragskiller Ken, gespielt von Brendan Gleeson, und Ray, Collin Farell, könnten sich vor ihrem Tod allerdings noch schönere Orte vorstellen als die verschlafene belgische Provinzhauptstadt Brügge. Da nützt es auch nichts, dass der alte Stadtkern zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Der im Killerbusiness erfahrene schwergewichtige Ken kann dem geschichtsträchtigen Ort noch einiges abgewinnen und fühlt sich in der Rolle des unfreiwilligen Touristen einigermaßen wohl. Während der hitzköpfige, leicht naive Anfängergangster Ray viel zu nervös und aggressiv durch die kalten Straßen schleicht. Sein erster Job in London ging vor kurzem in die Hose. Die Kugel, die nur den Priester töten sollte, ging durch ihn hindurch und nahm dahinter auch noch einen kleinen Jungen mit. Das nagt schwer an dem von Selbstzweifeln ohnehin geplagten Gangster. Und genau dieser Vorfall war es auch, der ihren leicht reizbaren Boss Harry, gespielt von Ralph Fiennes, dazu veranlasste einen Ausflug nach Brügge für sein Personal zu organisieren. Keine Wartestellung für einen Job, wie das ungleiche Duo ein paar Tage lang glaubt, während es die Zeit tot zu schlagen versucht. Tatsächlich sollte es für Ray ein letztes schönes Erlebnis werden bevor sein Partner Ken ihn umbringen wird. Als Harry dann letztendlich die telephonische Anweisung gibt, hat sich Ray schon mit der Stadt angefreundet, mit einem amerikanischen Schauspielerzwerg, der zwecks Dreharbeiten immer wieder seine Wege kreuzt und mit einer jungen Gaunerin, in die er gerade im Begriff ist sich zu verlieben. Der abgebrühte Ken ist zunächst entschlossen seine neue Aufgabe pflichtbewusst zu erfüllen. Kurz davor erkennt er jedoch, dass es für ihn an der Zeit ist wenigstens eine Seele zu retten. Seine eigene ist hoffnungslos verloren, aber Ray ist kein geborener Mörder und wird niemals mit dieser Rolle klarkommen. Er verdient noch eine Chance auf ein anderes Leben. In London hat Boss Harry dagegen eiserne Prinzipien und lässt niemandem einen Mord an einem Kind durchgehen. Seine Reisetasche ist schnell gepackt. Der fast klassische Showdown nach Westernart ist unvermeidbar. Die belgische Stadt wird zum blutigen Schauplatz. Echte Sieger kann es dabei natürlich nicht geben.

Brügge als Ort für eine Gangstergeschichte auszusuchen signalisiert schon den Hang zum Schrägen und setzt Raum für Gegensätze, die gerade bei Low Budget-Produktionen für die besondere Atmosphäre stehen. Beschauliche Touristenattraktionen haben mit Großstadtkillern normalerweise keine Berührungspunkte. Wenn es doch dazu kommt muss es einfach komisch werden. Beispielhaft eine Szene in der ein gewissenhafter Eintrittskartenverkäufer zwei schwer bewaffnete Gangster nicht auf seinen Aussichtsturm lassen möchte. Bei solchen Szenen erinnert man sich an rabenschwarzen Humor á la „Pulp Fiction“, in denen die alltäglichen kleinen Dinge des Lebens auf aberwitzige Weise mit dramatischen Ereignissen kollidieren, bei denen der blutige Tod an jeder Ecke lauert. Obwohl die beiden Hauptfiguren auf dem Papier zu den Schlechten gehören, vermitteln sie eine gute Portion Menschlichkeit und sind sensibel genug beleidigt zu sein, wenn nicht zurück gegrüßt wird. Wie sind sie wohl in dieses üble Business.  gekommen? Es wären doch andere Jobs möglich gewesen. Das wird im Film kaum thematisiert und überraschenderweise ist das gar nicht nötig. Es ist wie es ist. Bis auf die missglückte Tat, die zu dem Trip geführt hat, ist nichts wichtig, was davor war. Als Zuschauer ist es, als würde man die beiden im Urlaub treffen und ganz einfach im Jetzt ein paar Tage erleben. Ein seltsames Paar. Eine Konstellation, die in der Filmgeschichte immer wieder auftaucht und die, wie bei diesem Streifen, meistens zu erstaunlichen, guten Ergebnissen geführt hat. Colin Farrell wird den Film genossen haben, habe ich doch gelesen, dass er in keinen Blockbusterfilmen mehr mitspielen möchte, um dem finanziellen Erfolgsdruck zu entgehen. Der kann bei „Brügge sehen … und sterben?“ nicht groß sein, da ein Mainstreampublikum vermutlich überfordert ist ständig den zahlreichen feinen Dialogen zu folgen und die stetig präsenten komischen Zwischentöne herauszufiltern. Auch die Rolle des fiesen Chefs der beiden, Harry, ist wunderbar schräg, denn der Mann schwebt immer zwischen brutalem Schwein und gewissenhaftem Gentleman. „Brügge sehen … und sterben?“ ist ein Muss für Fans des schrägen, makaberen, schwarzen Humors.

B/GB 2008; D. + R.: Martin McDonagh; 107 Min.; FSK ab 16

(Radio Neckar - Supreme im Freien Radio für Stuttgart)

 


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