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Public Enemy No. 1 – Teil 2: Todestrieb
 

„Todestrieb“ bietet viel harte und gut inszenierte Action und einen glänzenden Vincent Cassel, der im aktuellen Film mit noch fürchterlicherer Optik den französischen Schwerverbrecher Jacques Mesrine verkörpert.

Endete „Mordinstinkt“ mit dem Ausbruch in Kanada, setzt die Fortsetzung wenig später 1973 in Frankreich ein. Der hoch gewachsene Franzose hat einen neuen Komplizen und eine neue Geliebte und überfällt wieder Banken. Der Polizei unter der Führung eines ihm ebenbürtigen Kommissars gelingt es zwar Mesrine zu fangen, dieser schafft es allerdings immer wieder auf spektakulärste Art zu fliehen. Sein krimineller Ideenreichtum und seine Hemmungslosigkeit stellen die Staatsgewalt vor enorme Probleme. Jacques Mesrine steigt immer mehr zum Medienstar auf. Journalisten bitten um Interviews, um etwas über den Antrieb des gefürchteten Mannes zu erfahren. Inspiriert vom damaligen deutschen linksextremen Terrorismus möchte er nicht als Gangster gesehen werden, sondern als Revolutionär, der moralisch agiert und nur diejenigen bestiehlt und bedroht, die es nach seiner Meinung verdienen. Zunehmend offenbart sich aber die Schwierigkeit seine Taten in Einklang mit systemkritischen Aktionen zu bringen. Selbst seine Komplizen erkennen die Widersprüche, erst recht ein von ihm gekidnappter Milliardär. Aus Mesrine spricht immer öfter der pure narzisstische, geltungssüchtige Wahnsinn. Wehe, wenn es jemand wagt, über ihn Dinge zu schreiben, die ihn in ein von ihm nicht genehmigtes Licht stellen. Ein Journalist bekommt den Zorn besonders intensiv zu spüren. Jacques Mesrine übertreibt es mit dieser Tat und ahnt, dass er fortan von den Medien nicht geschont wird. Man erinnert sich an die ersten Szenen des ersten Teils: die französische Staatsgewalt antwortet ihrem Staatsfeind Nummer eins erbarmungslos in der Sprache, die er als einzige versteht und lässt ihn ohne Vorwarnung erschießen.

Während im ersten Teil eine Aneinanderreihung brutaler Taten die Handlung dominiert, geht „Todestrieb“ stärker auf die psychologische Seite des Phänomens Jacques Mesrine ein. Abgesehen von der anstrengenden Folterszene des Journalisten und des finalen Schlussaktes wird die Zeit von 1973 bis 1979 als Chronik einer öffentlichen Person geschildert. Öfters rutscht der Film dabei ins leicht Komödienhafte ab. Beispielhaft ist dafür eine Szene, in der er mit seinem Komplizen als Kommissar verkleidet eine Polizeistation inspiziert und die Beamten dort keine Ahnung zu haben scheinen, wer vor ihnen steht. Unweigerlich kommt einem da Inspektor Clouseau in den Sinn. Oder der Auftritt im Gerichtssaal, bei dem sich Mesrine über die Justiz lustig macht. An anderer Stelle ist eine Verhaftung fast komödienstadelverdächtig. Die meisten Polizisten werden als etwas zu trottelig dargestellt, besonders in einer Zeit, in der die Nachbarn ein fundamentalistischer Terror eigentlich zu erhöhter Wachsamkeit und Härte animieren musste. Prägnant: der Übergangster bekommt häufig Gelegenheit über seine Rolle nachzudenken. Schön herausgearbeitet wurde sein Drang, eine wichtige Figur im Kampf gegen die kapitalistische Gesellschaft zu werden und nicht als eigennütziger Schwerverbrecher in die Geschichte einzugehen. Aber seine Liebe zum Luxus und letztendlich auch zum Kapital macht ihn immer wieder angreifbar. Dieser Konflikt nagt und eine Lösung fällt ihm selbst auch nicht ein. Ruhig dargestellte Begegnungen mit Tochter und sterbendem Vater deuten daraufhin, dass Jacques Mesrine viele Momente hatte, in denen er in sich ging. Leider hielt man es nicht für nötig davon mehr ans Licht zu holen. An der Zeit kann es nicht gelegen haben, denn 133 Minuten sind für einen Film durchaus genug, um alle Facetten zu beleuchten. Mathieu Amalric, der Bond-Gegenspieler von „Ein Quantum Trost“ und Ludivine Sagnier als seine letzte Geliebte, geben auch den Nebenrollen genügend Glanz und wieder fragt man sich, wie so eine schöne Frau ausgerechnet einen so durchschnittlich aussehenden, selbstherrlichen Typen lieben konnte. Diese magische Anziehungskraft bleibt uns auch der zweite Teil von Public Enemy „Todestrieb“ zum größten Teil schuldig. Etwas schade, aber ansonsten sind die über 2 Stunden kurzweilig und unterhaltsam. „Public Enemy No. 1, zweiter Teil Todestrieb“ – der Daumen geht nicht komplett hoch.

F 2008, D. Abdel Raouf Dafri, R.: Jean-François Richet, 133 Min., FSK: ab 16

(Radio Neckar - Supreme im Freien Radio für Stuttgart)

 


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