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Verblendung
 

In Verblendung findet sich ein auf den ersten Blick ungleiches Detektivduo Mikael Blomqvist und Lisbeth Salander. Er ist Wirtschaftsjournalist und ein in Schweden bekannter Experte für Aufklärungsrecherche. Sein aktueller Fall ist eine Pleite. Er wurde in eine Falle gelockt und kann mit seinen Enthüllungen vor Gericht nicht bestehen. Bis zu den drei Monaten Gefängnisstrafe hat er zwar noch etwas Zeit, beruflich ist er damit jedoch erst einmal kaltgestellt. Henrik Vanger, der 82-jährige Senior des einflussreichen Vanger-Clans meldet sich bei ihm um ihn zu bitten endlich Licht in die Familientragödie zu bringen, die sich in den 60er Jahren abgespielt hat. Seine Nichte Harriet verschwand damals spurlos von der Insel Hedeby. Seitdem sind alle Familienmitglieder verfeindet und verdächtig. Die getrockneten Blumen, die der Alte regelmäßig bekommt, verheißen nichts Gutes. Blomqvist nimmt den Auftrag an, quartiert sich auf der Insel ein und beginnt mit Nachforschungen. Unerwartet erhält er interessante Hinweise von einer ihm unbekannten jungen Frau. Lisbeth Salander hackt als Detektivin. Sie war auf Blomqvist angesetzt, um seine Integrität zu prüfen. Die Kontaktaufnahme der beiden ist sperrig. Kein Wunder bei der Punklady Salander, die den Menschen alles andere als freudestrahlend begegnet. Ihre Augen verraten eine dunkle Vergangenheit. Der Reiz der Schnüffelei schweißt aber zusammen. Gemeinsam verfolgen sie jetzt das Ziel aufzudecken, welche Abgründe sich unter der Oberfläche des Vanger-Konzerns verbergen. Der Journalist und das Mädchen kommen sich dabei auch menschlich näher.

Zunächst einmal die Fakten, die eher abschreckend wirken: das ZDF war im Boot, der Film ist über 2,5 Stunden lang und eine Menschenmasse findet die Buchvorlage extrem gut. Das riecht sehr nach langweiliger vorhersehbarer, kitschiger Fernsehkrimiunterhaltung, die dem Publikum nicht allzu viel zumuten möchte. Tatsächlich ist es auch eine konventionelle Handlung in der typischen Dramaturgie. Man fiebert mit, wird auf eine falsche Fährte gelockt, um am Ende mittels Showdown das Geheimnis zu entdecken. Mit außergewöhnlichen Wendungen und Überraschungen kann „Verblendung“ nicht unbedingt aufwarten. Es passiert nichts, was man nicht hätte vorhersagen können. Was diesen Kinofilm aber dennoch auszeichnet, sind die Charaktere, die schonungslose Radikalität und die überzeugende Bildgestaltung. Die winterliche Gegend in Schweden mit kleinen Dörfern und düsteren Herrenhäusern vermittelt stimmungsvoll die passende Atmosphäre. Hinter verborgenen Türen ist es vorbei mit dem Bild vom lächelnden schwedischen Mädchen. Nicht umsonst heißt der Film im schwedischen Original übersetzt „Männer, die Frauen hassen“. Dem kritischen Autor der Buchvorlage, Stieg Larsson, ging es definitiv auch darum in seinen Romanen aufzuzeigen welche patriarchale und faschistoide Gewalt in seiner Gesellschaft verwurzelt ist. Immer wieder taucht das facettenreiche Thema Macht auf. In hemmungslosen Sequenzen wird die Brutalität fast schon ausgekostet. Wenn Lisbeth Salander von ihrem Vormund gnadenlos vergewaltigt wird und sie ihn später dann mehr als erniedrigt, ist es absolut vorbei mit ZDF. Wie die Darstellerin von Lisbeth, Noomi Rapace im Interview selbst sagt, war es auch ihr wichtig dem Zuschauer nicht nur anzudeuten, sondern schmerzvoll vor Augen zu führen, was wirklich dabei geschieht. Überhaupt ist die Figur der Lisbeth Salander mit der Newcomerin Rapace perfekt besetzt, in deren kühlen, wachsamen, traurigen aber erotischen Blick verbirgt sich etwas mysteriöses Spannendes. Man spürt förmlich, dass dieser Charakter noch viel zu bieten hat und in „Verblendung“ das wichtigste Element darstellt. Nicht unbedingt für die Handlung sondern für die Figuren und die Umsetzung geht der Daumen hoch. Es wird auch interessant werden, wie es 2010 mit dem ungleichen Paar weitergeht. Verblendung – erster Teil der Trilogie des schwedischen Erfolgsautors Stieg Larsson.

DK, D, SV 2009, D.: Niels Arden Oplev, R.: Nikolaj Arcel, Rasmus Heisterberg, 153 Min., FSK: ab 16 Jahren

(Radio Neckar - Supreme im Freien Radio für Stuttgart)

 


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