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Sin Nombre
 

Der Film zeigt uns die harte kompromisslose Welt mexikanischer Jugendbanden. Eine davon ist die Mara Salvatrucha. Ihr martialischer Anführer Lil Mago kennt keine Gnade, auch nicht als es um die Aufnahme des noch kindlichen Mitglieds El Smiley geht. Sein Freund El Caspar, die Hauptfigur des Films, hat ihn in die Gang gebracht. Dass er zunächst fast ins Koma geprügelt wird, ist nur der Anfang des Rituals. Noch eine Spur ernster wird es, als er einen Gefangenen einer anderen Gang mit einem Bolzenschussgerät töten muss. Smiley steckt das aber gut weg, denn was bleibt einem Jugendlichen aus der mexikanischen Unterschicht schon übrig? Nur in einer Gang findet sich die Sicherheit, die dort weder Familie noch Staat geben kann. In El Caspar allerdings steckt noch etwas anderes als der Blutdurst seiner Mara-Kumpels. Er hat heimlich eine Freundin aus einem anderen Stadtteil. Mit Martha Marlene führt er ein anderes, friedlicheres, gefühlvolleres Leben. Als sie mehr über seine Bande erfahren möchte, kommt es zu einer Begegnung mit den Maras und ihrem Boss Lil Mago. Er will sie nach kurzer Zeit zwar „nur“ vergewaltigen, aber sie stürzt – tödlich. Caspar beißt sich auf die Zähne und schwört dafür insgeheim Rache, wartet auf seine Chance. Die bietet sich als er und der neuaufgenommene El Smiley Lil Mago auf einen Raubzug begleiten sollen. Opfer sind die illegal auf den Dächern der Güterzüge reisenden Auswanderer, die nur ein Ziel kennen: über die Grenze der USA nach Texas oder Kalifornien. Und exakt auf jenem Zugdach, auf dem der voller Trauer leidende El Caspar seinem blutrünstigen Bandenchef mit seinem riesigen Messer fast den Kopf abschlägt, werden zwei Handlungsstränge zusammengeführt. Damit rettet er nämlich die junge Sayra. Mit ihrem Bruder und Vater ist sie auf der Reise zu ihren amerikanischen Verwandten nach New Jersey. Das Schicksal schweißt die beiden immer stärker zusammen, obwohl Caspar ahnt, wie sehr er das Mädchen in Gefahr bringt. Maras haben Chapter und sind in ganz Mexiko verstreut. Der Tod des Anführers wird gerächt werden und ausgerechnet Caspars alter Freund Smiley bietet sich als Todesengel an. Damit erkauft er sich quasi einen gesicherten Stammplatz bei den Mara Salvatrucha. Es beginnt eine tödliche Jagd auf ein nur auf den ersten Blick ungleiches Paar. So sehr man sich ein Happy End wünscht, so unwahrscheinlich erscheint es.

Sin Nombre vereint einiges: harte Millieustudie, Gangsterdram, Roadmovie, Liebesdrama und sogar Naturfilm. Definitiv ist dieser erste Spielfilm von Fukunaga ein besonderer. Welch ein Gegensatz wird hier vermittelt! Die Wunderschöne Naturaufnahmen Mexikos verdeutlichen, wie schön es dort ist – für eine Handvoll sicherlich. Die Kids die mit dem täglichen Kampf ums Überleben beschäftigt sind, nehmen es anders wahr. Ihre Welt ist geprägt von selbst gesteckter straffer Ordnung und Hierarchie, eine Mischung aus barbarischer Steinzeit und Faschismus. Das ist die Folge, wenn das Elend zu groß ist und der Staat keine Gesetze mehr durchsetzt. Sin Nombre unterstreicht aber auch auf zarte Weise, das sich Liebe überall behaupten kann. Selbst der gnadenlose Lil Mago trägt in einer Szene ein Baby auf dem Arm, hält es sogar behutsam und zärtlich. Hier zeigt sich wieder: der Rassismus ist leider tief im Menschen verwurzelt, nur das eigene wird geliebt und beschützt. Edgar Flores, der El Caspar spielt besticht durch außergewöhnliches Charisma, haucht seinem kriegerischen Charakter diese tief sitzende Sehnsucht nach Harmonie und Liebe ein. Die erste Regiearbeit ist demnach gut gelungen. Sin Nombre findet in allem das richtige Maß die Geschichte so zu erzählen, wie sie sein könnte. Die größte Stärke liegt wohl dabei wie so oft in der kommerziellen Unabhängigkeit. Keine übertriebene Action, keine melodramatische Lovestory, kein heroisches Gangsterepos, kein sozial-moralischer Hinweis auf mehr Engagement der reichen europäischen Welt ist hier nötig um die geforderten Einspielergebnisse zu erreichen. Sin Nombre bewegt den Daumen klar nach oben.

USA, MEX 2009, R. + D.: Cary Fukunaga, 96 Min.

(Radio Neckar - Supreme im Freien Radio für Stuttgart)

 


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