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Hereafter – Das Leben danach
 

Clint Eastwood ist zwar alt, aber noch längst nicht tot. Darüber können Filmfans glücklich sein. Auch wenn er nicht mehr Schauspielern möchte, ist er doch regelmäßig als Regisseur tätig. Seine Filme sind meist emotional bewegend und setzen sich oft mit schwierigem Altern und daraus folgenden Schicksalsschlägen auseinander. Auch sein neuester Film „Hereafter“ passt da ins Konzept. Grundlegendes Thema ist das Leben nach den Tod. Eastwood hat vermutlich guten Grund sich damit zu beschäftigen. Er führt drei Handlungsstränge erst gegen Ende zusammen.

In San Francisco lebt George Lonegan (Matt Damon), ein Medium, das mit Toten in Kontakt treten kann wenn es die Hände Angehöriger berührt. Sein Bruder ist daran interessiert mit dieser Gabe und ihm als Manager erneut viel Geld zu verdienen wie vor einigen Jahren, als über George sogar ein Film gedreht wurde. Heute allerdings belastet ihn die Fähigkeit, ständig mit den Toten kommunizieren zu können. Er möchte ein normales Leben führen, eine normale Beziehung und seinen Job als Fabrikarbeiter behalten. Gelegentlich lässt er sich dann doch für ein sogenanntes Reading überreden, ein Treffen bei dem es zu den übersinnlichen Kontakten kommt. Eigentlich hat er darauf aber absolut keine Lust mehr. Ein mehrwöchiger Abendkochkurs beginnt vielversprechend: Seine Zufallspartnerin ist hübsch und unterhaltsam. Als seine besondere Gabe ein Thema wird, erfährt er über sie Dinge, die er besser nicht wissen sollte. Dann verliert er seinen Job und bricht kurzerhand sein altes Leben ab. Er fliegt nach London, der Heimat von Charles Dickens, dessen Fan er ist.

In London wohnen auch Marcus und sein Zwillingsbruder. Ihre drogenabhängige Mutter hat Mühe ihre vorbildlichen Söhne vor dem Jugendamt zu bewahren. Die beiden sind unzertrennlich und ein eingespieltes Team. Als der Bruder zur Apotheke geschickt wird um Medikamente für den Entzug zu kaufen, rennt er durch die Schuld einer jugendlichen Gang in ein Auto und stirbt. Marcus ist nur noch wie versteinert. Seine Mutter muss ihn verlassen um eine Kur anzutreten. Für eine Weile soll Marcus bei einer Pflegefamilie wohnen.

Marie Lelay (Cécile de France) ist als Fernsehmoderatorin für politische Magazine verantwortlich und lebt in Paris. Ein paar Tage Urlaub in Hawaii mit ihrem Regisseur und Liebhaber gehen zu Ende. Kurz vor dem Auschecken aus dem Hotel möchte sie noch ein paar Geschenke für seine Kinder besorgen. Ein Tsunami erwischt sie mit aller Härte, spült sie weg. Eine Rettung gibt es für die weglaufenden Menschen nicht, denn das Wasser ist schnell und hat große Gegenstände dabei, mit denen es alles zerschlägt. Marie ertrinkt. Sie sieht die schemenhaften Gestalten und das weiße Licht, eine Todeserfahrung, und doch kommt sie wie durch ein Wunder zu sich, als sich Männer um ihren Herzschlag bemühen. Diese Erfahrung lässt sie nicht mehr zur Ruhe kommen. Ohne die Konzentration ist auch eine politische Sendung nicht mit der gewünschten Wirkung zu moderieren: Deshalb willigt sie ein, als man ihr nahelegt, eine Auszeit zu nehmen und ein lange geplantes Buch zu schreiben. Ihr ursprüngliches Thema, Mitterand, verwirft sie schnell, zu präsent sind die rätselhaften Bilder in ihrem Kopf. Der Besuch in einem Hospiz und Material über Erfahrungen anderer bestärken sie darin ein Buch über „Das Leben danach“ zu schreiben – „Hereafter“. Ein Verlag in London führt nun auch Marie Lelay in diese Stadt. Sie wird eine Lesung auf einer Buchmesse halten. Auf dieser Lesung kreuzen sich die Lebenswege von George, Marcus und Marie. Jeder hilft auf andere Weise dem Anderen. Das Ende entspannt.

Clint Eastwood beginnt spektakulär mit dem Tsunami. Der sieht verdammt echt aus und wirkt selbst im Kinosessel bedrohlich – gute Arbeit! Berichte über eine derartige Katastrophe können nicht annähernd das beklemmende Gefühl vermitteln Danach lässt er es nur noch ruhig angehen und legt Wert auf Emotionen. Wenn es einen Oscar für ein trauriges Gesicht geben würde, hätte ihn Frankie McLaren, der jugendliche Marcus-Darsteller, verdient
Ein verhaltener Film über ein interessantes Thema. Übersinnlich und mysteriös ist überraschenderweise kaum eine Szene. Die Stärke des Films liegt mehr im zwischenmenschlichen Dialog. Positiv ist auch, dass „Hereafter“ zu keiner Zeit mit dem Hollywood-typischen melodramatischen Kitsch aufgeblasen wurde. Die Szenen haben einen natürlichen Charakter und wirken nicht überzogen. Matt Damon, dem oft nachgesagt sind, er sei der natürlichste US-Star, spielt den introvertierten Gefühlsmensch professionell. Auch Cécile de France als Marie Lelay ist ein wichtiger Baustein für diesen gelungenen Film. „Hereafter“ - frisch in Kino und empfehlenswert für Filmfans, die zuhören können - Daumen nach oben!

USA 2010, D.: Peter Morgan, R.: Clint Eastwood, 129 Min., FSK ab 12

(Radio Neckar - Supreme im Freien Radio für Stuttgart)

 


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