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Passion
 

Es scheint dass alle Filmschaffenden einmal auch einen Film in Berlin drehen wollen. Mit dem Remake von „Crime d’amour“ (2010) machte nun auch Brian De Palma seinen Berliner Film. Es ist zum Teil auch ein deutsches Werk, da ein paar Nebenrollen mit deutschen Darstellern besetzt wurden. Besonders Karoline Herfurth hat einen nicht zu unterschätzenden Part. Die bemerkenswert kurze Zeitspanne für ein Film-Remake liegt wohl auch daran, dass der ursprüngliche Film jenseits von Frankreich kaum bekannt wurde. Die Story passt aber besonders gut zu einem Sex-and-Crime-Regisseur wie Brian De Palma. Was die Schauspieler angeht wurde damals bravourös vorgelegt: Kristin Scott Thomas und Ludivine Sagnier sind begnadete Schauspielerinnen. Ihre Rollen der Christine und Isabelle übernehmen in „Passion“ Rachel McAdams und Noomi Rapace. Für ein Chefin-und-Aufsteigerin-Verhältnis irritiert zunächst der fehlende Altersunterschied. Im Vergleich zu Crime D‘amour manifestieren sich deshalb die Machtverhältnisse hier nicht auf natürliche Weise.

Zwei Frauen liefern sich in dem psychologisch raffinierten Thriller eine prickelnde Schlacht um Macht und Erniedrigung. Christine ist eine Managerin in einem weltweit tätigen PR-Unternehmen, die ihre Interessen charmant aber unbarmherzig vertritt und als Mentorin viel von ihrer Juniorpartnerin Isabelle hält. Zunächst präsentiert sich ein harmonisches Bild. Die Zusammenarbeit der beiden Strategen erscheint als Glücksfall und auch privat sieht es nach mehr als einem nüchternen Geschäftsverhältnis aus. Doch dann wird zunehmend deutlich, dass unter der glänzenden Oberfläche anders gespielt wird. Christine nutzt Ideen ihrer kreativen Mitarbeiterin eiskalt für ihre Zwecke aus. Der weitere Aufstieg in ein New Yorker Büro wird somit greifbar. Isabelle steht ihrer Chefin lange loyal gegenüber. Erst nachdem sie wiederholt um die Früchte ihrer Arbeit gebracht wurde, geht sie der fälligen Konfrontation nicht mehr aus dem Weg. Die wütende Christine setzt ihre Machtstellung nun intrigant und effektvoll ein und bereitet der Jungmanagerin eine schmerzhafte Erniedrigung nach der anderen. Zum Höhepunkt der Schmach kommt es für Isabelle, als ihre Liebe, Dirk, instrumentalisiert wird. Völlig am Boden zerstört denkt sie sich rachsüchtig einen perfekten Mordplan aus, aus dem sie  am Ende scheinbar als Siegerin hervorgehen wird.

Brian De Palma ist unbestritten einer der großen Regisseure. In den letzten Jahren polarisierte er allerdings zunehmend. Während einige Filmfans seinen großen Erfolgen wie „Carrie“ und „Scarface“ hinterhertrauern und meinen, dass er mittlerweile nur noch altmodisches Kino nach immer demselben Muster macht, ist der andere Teil stets aufs Neue fasziniert von seiner Darstellungskunst. „Passion“ ist wieder ein Genuss mit prickelnder femme-fatale-Erotik, intelligenter Split Screen, wunderschönen, mysteriösen Bildern und wendungsreicher Erzählperspektive. Die wird am Ende etwas zu sehr auf die Spitze getrieben, was dem fatalen blutigen Rausch der Leidenschaft aber kaum etwas anhaben kann.

Bei einem Duell kommt es auch auf die beiden Darsteller an. Rachel McAdams wirkt zwar etwas jung, macht dieses Manko aber im Verlauf der Handlung durch ein gekonnt intrigantes fieses Spiel wett. Ihre Christine ist herrlich verdorben und machtbesessen, vielleicht eine Spur zu klischeehaft. Glänzender Auftritt von einem Neustar: Noomi Rapace stehen nach der Stig Larson-Reihe wohl alle Türen offen. Nach dem eher enttäuschenden Auftritt in "Sherlock Holmes" kann sie hier ihre echte Schauspielkunst zeigen. Sieht man die Anfangs fast schon schüchterne Isabelle vergisst man völlig die toughe Performance als Lisbet Salander und im Verlauf des Films kommt bei ihr eine erschreckende Ambivalenz zum Vorschein. Noomi Rapace ist ganz in ihrem Element.  „Passion“ ist ein klassischer Thriller, sieht man einmal von umfangreichem Product-Placement ab, aufregend und elegant inszeniert.

F/D 2010, R., D.: Brian De Palma, 101 Min., FSK: ab 16

(Radio Neckar - Supreme im Freien Radio für Stuttgart)

 


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