Forum

  Nachrichten
Kommunalpolitik
Politik
Umwelt
Kultur
Stattzeitung aktuell
Sport
Nürtingen global
Jugend
Personalia
Verkehr
Arbeitswelt
Soziales
Geschichte
Bauen
Presseschau
Wirtschaft
Kurznachrichten
Zukunftsfähiges NT
NTegration
Veranstaltungstipp

  
Terminkalender
Veranstaltungen
Ausstellungen

  
Kulturtipps
Kneipentest
Bücher
Filme
Musik
Lyrik
Reisen
Hörbücher
NTouren
NThörBar
Musikmachende

  Schatzkästle
Fotogalerie
Fortsetzungsroman
Links
Kinderzeitung
Was kochsch du?
Gabi Zapf (Roman)
Fundgrube
Rundschlag
Jahreszeiten
Hausmittel

  Über uns


 

  NTouren
 
Jakobswege bei Nürtingen – von Plochingen bis Neckartailfingen
 

Wer aus Nürtingen hinaus spazierengeht, findet hier und dort die Markierungen des „Jakobswegs“, die stilisierte gelbe Muschel auf blauem Grund, die sowohl in Reudern, im Tiefenbachtal, aber auch bei Neckarhausen angebracht ist. Wie ein Pfeil zeigt die Muschel auf dem Pilgerzeichen, an der Seite, an der die Strahlen zusammenführen, immer die Wegrichtung. Ziel ist Santiago de Compostela an der spanischen Westküste, dort ist das Grab des Heiligen Jakobus, einer der zwölf Apostel von Jesus. Wie Fäden führen viele Jakobswege aus verschiedenen Gegenden seit Jahrhunderten dort hin.

Die Markierungen in der Nähe von Nürtingen gehören zum Pilgerweg, der von Rothenburg ob der Tauber über Waldshut-Tiengen führt. Dieser Weg teilt sich vor Esslingen in zwei Varianten, die um Nürtingen "einen großen Bogen" machen, um in Neckartailfingen wieder zusammenzutreffen.

Hier beschreiben wir die Strecke von Plochingen über Frickenhausen bis Neckartailfingen. Die Ortschaften auf der Strecke bieten die Möglichkeit, mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Nürtingen aus ein- oder auszusteigen um den Weg in Etappen zu gehen. Wir ziehen also die Wanderstiefel an, stecken Wanderkarte, Proviant und Regencape in den Rucksack, fahren vom Nürtinger Bahnhof mit dem Zug nach Plochingen und beginnen unsere Reise.

Von Plochingen bis Wernau (2,5 Kilometer)
Vom Ausgang des Plochinger Bahnhofgebäudes aus wenden wir uns nach rechts, folgen dem Wanderzeichen roter Punkt bis zur traditionsreichen Gaststätte Waldhorn. Dort finden wir das erste Wegzeichen. Es zeigt nach rechts durch die Fußgängerunterführung der Bahnlinie zum Neckar. Ein schicker Fußgängersteg führt uns über den Fluss, unübersehbar mit Jakobswegzeichen beklebt. Nach der Brücke geht es nach links durch das ehemalige Landesgartenschaugelände weiter. In diesem blühenden Garten sind unsere Wanderzeichen leider wieder spärlich gesät. Gefühlt geradeaus gehen wir weiter, bis wir wieder auf den Neckar stoßen, der hier einen Knick macht. Durch einen Fußgängertunnel kommen wir unter einem Damm durch. Weiter geht es entgegen der Fließrichtung immer rechts am Neckar entlang, unter den Straßenbrücken des Plochinger Dreiecks durch. Von der Raserei oben sieht man hier unten nichts, die riesigen Brückenbauten sind aus dieser Perspektive aber beeindruckend, egal, ob sie Gefallen finden oder nicht. Wie Winzlinge gehen wir weiter. Ein Stück weiter teilt sich der Weg, die Pilger müssen geradeaus weiter, auf einem schmalen, bei Regen schmutzigen Naturweg. Der Weg nach halbrechts sieht viel schöner aus, ist fein geschottert und scheint lieblich durch schöne Wiesen in die selbe Richtung zu gehen. Das tut er auch. Tatsächlich finden beide Wege wenig später wieder zusammen. Tipp: Pietisten gehen geradeaus, Genießer nach rechts. Über eine Fußgängerbrücke gelangen wir schließlich direkt zum Bahnhof in Wernau, durch dessen Unterführung der Jakobsweg durchgeht.

Von Wernau bis Ötlingen (4 Kilometer)
Wernau bietet sich als nächste Zu- oder Ausstiegsmöglichkeit von oder nach Nürtingen an. Von der Unterführung aus folgt man dem Wegzeichen bergauf durch die Ortschaft. Bei einem Wegkreuz steht ein Bänkchen mit schöner Aussicht aufs Neckartal, das zur Rast einläd. Danach müssen wir noch etwas weiter "nauf". Oben, auf der Anhöhe, geht es auf freiem Feld weiter. Im Sommer kann es dort drückend heiß sein. Vorbei an Pferdekoppeln spickeln wir auf den neuen Wendlinger Golfplatz und kommen nach Bodelshofen. In diesem beschaulichen Weiler stehen etliche Pferdestärken in und vor dem Stall. Hühnergegacker ist das angesagteste Geräusch am Sonntagmorgen. Am dortigen Jakobsbrunnen gibt es eine Sitzgelegenheit, wo man sich den Sound eine Weile reinziehen kann. Schließlich müssen wir weitergehen. Nach Überquerung der Hauptstraße Wendlingen/Kirchheim geht es nach Ötlingen. Dort ist der nächste Ein- oder Ausstieg per ÖPNV auf Schienen möglich, der Bahnhof liegt nicht weit vom Jakobsweg entfernt.

Von Ötlingen nach Reudern (5,5 Kilometer)
Von Bodelshofen her kommend gehen wir noch vor dem Ötlinger Bahnhof durch eine Unterführung unter der Bahnlinie durch, nach rechts geht es über die „Mittwochsäcker“ weiter. Teilweise geht es über Graswege, die bei Regen schlüpfrig sein können. Sie führen uns in den Wald, ins sogenannte „Rübholz“ bei Lindorf. Über eine Brücke geht es über die Autobahn A8, was krass kommt, wenn die Autos unter einem wie Raketen durchzischen, während man selbst gemütlich wandert. Wie oft rasen wir selber über diese Autobahn, hetzen von einem Termin zum anderen, und sind uns des Tempos gar nicht bewusst! Bei der Autobahnbrücke haben wir über die Felder Blick auf das Hofgut Tachenhausen. Das wunderschön gelegene Gehöft liegt auf Oberboihinger Gemarkung, gehört der Stadt Nürtingen, und war vor einigen Jahren wegen Versuchsfeldern mit Genmanipulationen der ansässigen Fachhochschule in den Schlagzeilen, auch bei der STATTzeitung. Damals hatten die Gegner auf den Feldern illegal ein Camp aufgebaut und mit friedlichen Mitteln erreicht, dass die Versuche abgebrochen wurden. Jetzt liegen die Felder ruhig da. Wir folgen dem Pilgerweg, der wieder in den Wald führt. Dort geht es bald über Stock und Stein, sowie fast bodenlos im Matsch weiter. Die Pilger werden ob ihrer Durchhaltekraft geprüft. Dann taucht im Wald eine Grillstelle auf, das "Allmerbrünnele". Wir haben noch etwas Fußmarsch vor uns, bis wir Reudern erreichen. Mit dem Bus Linie 166 gibt es in Reudern eine direkte Aus- oder Zustiegsmöglichkeit nach Nürtingen, auch wenn die Verbindung am Wochenende nicht sehr gut ist.

Von Reudern nach Frickenhausen (8,5 Kilometer)
In Reudern geht es von der Hauptstraße aus weiter zum Reuderner Sportplatz. Den umschlingeln wir ganz eng in Richtung Wiesen und erreichen so die Wälder des Tiefenbachtals. Nach dem Eintritt in den Wald haben wir ein Wegzeichen nicht gefunden. Tipp: es geht auf dem Schotterweg nach rechts weiter. Bald tauchen wieder Schilder auf und führen uns zum Gasthaus Kräuterbühl, an der Tiefenbachtalstraße. Ein Stück geht es parallel an der Straße Richtung Beuren weiter, dann überqueren wir sie und verschwinden wieder im Wald. Jetzt geht es bergauf, man braucht etwas Puste und Durchhaltevermögen, bis man einen schön restaurierten Jakobsbrunnen erreicht. Die dortige Sitzgelegenheit sollte man nutzen, um zu vespern und dem Plätschern eine Zeit lang zuzuhören. Nicht viel weiter auf unserem Weg steht schon wieder ein Bänkchen. Direkt daneben ragt ein Mammutbaum empor. Eigentlich waren es einmal zwei dieser Riesenbäume. Einer wurde leider krank und musste gefällt werden. Der beeindruckende Stumpf steht noch. Der Standort ist auf einigen Wanderkarten eingezeichnet. Wenn es aus dem Wald wieder herausgeht, hat man einen schönen Blick auf Streuobstwiesen und das „Neuffener Täle“. Unser Weg führt uns hinunter nach Frickenhausen, wo sich die Tälesbahn als Aus- oder Zustiegsmöglichkeit zum Jakobsweg anbietet. Es gibt am Bahnhof keinen Fahrkartenautomaten für diese moderne Bahn, der ist im Zug. Wenn man Glück hat, bekommt man seine Karte, bevor man nach einigen Minuten in Nürtingen wieder aussteigen muss. Leider kann man wegen der Beschäftigung mit der Maschine die Ausblicke während der Fahrt nicht genießen.

Von Frickenhausen nach Großbettlingen (5 Kilometer)
In Frickenhausen führt der Weg an der Kirche mit dem schönen Namen „Zu Unserer Lieben Frau“ vorbei. Weiter geht es an der Hauptstraße entlang Richtung Tischardt. In einer Senke steht ein stationärer „Blitzer“, der Einheimischen wohl bekannt, für Wanderer aber meist ungefährlich ist. Gleich nach dem Blitzer geht es rechts weg, bergauf, und schließlich, über ein schmales Weglein, in den Wald hinein. Das führt uns auf einen geschotterten Waldweg, der den Großteil der Strecke zwischen den zwei Ortschaften ausmacht. Achtung, im Wald muss ein paar mal abgebogen werden. Am Ortsrand von Großbettlingen überqueren wir die B 313, wenden uns aber sofort nach der Kreuzung nach rechts auf einen Wiesenweg, hinauf zum Geigersbühl. Das Wegzeichen dazu ist etwas weiter weg, auf dem Pfeiler eines Verkehrsschildes der Bundesstraße, und leicht zu übersehen. Ist der „Gipfel“ des Geigersbühls erreicht, lädt ein Bänkchen mit Aussicht zur Rast ein. Der weitere Weg hinunter in den Ort ist in der Streckenführung etwas umständlich beschildert und ein Zeichen dort zeigt sogar in die falsche Richtung! Deshalb den Verstand navigieren lassen, den Kirchturm anpeilen, dort geht es weiter.

Von Großbettlingen nach Neckartailfingen (6 Kilometer)
Bergab kommen wir zur Ortsmitte von Großbettlingen, mit dem Bus hat man hier nach Nürtingen Verbindung. Wir überqueren die Hauptstraße, gehen nach rechts und biegen dann nach links Richtung Bettlinger Forum ab. Über eine Fußgängerbrücke geht es über die Straße Großbettlingen/Bempflingen zum Großbettlinger Sportplatz. Nach links geht es weiter in einen kleinen Wald und teils steil bergab bis zur Großbettlinger Kläranlage,wo der Weg ganz nah über eine schmale Furt vorbei führt. Wenn man stehen bleibt und zu neugierig in die Bottiche guckt, in denen Schmutzwasser gerührt wird, kann es sein, dass man ein paar Spritzer abbekommt. Scheiße! Also lieber zügig weitergehen und an der nächsten T-Kreuzung nach rechts abbiegen. Ein Wegzeichen fehlt hier, weil es auf freiem Feld nicht angebracht werden kann. Der Weg führt später durch einen Fußgängertunnel unter der Bahnstrecke Nürtingen/Metzingen durch. Der helle Ausgang des Tunnels scheint nah, doch der Durchgang zeigt sich länger als gedacht und er ist unbeleuchtet, innendrin sieht man die Hand vor den Augen nicht, da kann einem durchaus mulmig werden. Wieder draußen öffnet sich, wie zum Ausgleich, bald eine schöne Feld- und Wiesenlandschaft, die zudem relativ einsam ist. Ohne den Jakobsweg hätten wir sie wohl nicht entdeckt. Unterhalb von Altdorf, kurz vor einem Brückle, geht es rechts über einen Schotterweg in ein kleines Wäldchen, auch hier findet sich auf offener Strecke kein Zeichen, erst im Wald wieder. Nach dem Wald geht es nach links, am Waldrand weiter. Dann kommt eine Kreuzung, an der wir kein Zeichen gefunden haben. Geradeaus weitergehen ist richtig, auf einem tiefen, schwer zu gehenden Schotterweg bergauf. An der nächsten Kreuzung finden sich wieder keine Signale: wieder geradeaus gehen, auf dem Grasweg geht’s weiter. Bald kommt Neckartailfingen in Sichtweite, man kann auf weitere, jetzt angebrachte, Wegweiser verzichten und den Kirchturm anpeilen.

In Neckartailfingen, am Ende unserer Pilgerreise angekommen
Die Jakobspilger haben noch einen langen Weg nach Spanien vor sich, die  STATTzeitung ist mit ihrer Beschreibung am Ziel Neckartailfingen angekommen. Die dortige Martinskirche ist schon über 900 Jahre alt und der Kirchturm steht schon etwas schief. Während wir alle anderen Kirchen auf dem Pilgerweg geflissentlich übersehen haben, lockte dieses schlichte Kirchlein mit offen stehenden Türen unwiderstehlich zum Eintritt. Als wären wir tatsächlich am Ende einer Reise angekommen bot sich im erstaunlich hohen Kirchenraum eine wohltuende Stille. Ausgelegt war ein Gästebuch für Pilger nebst Neckartailfinger Pilgerstempel, den sich Pilger in ihr Pilgerbuch stempeln können.

Allgemeine Informationen
Die Wege sind meist gut markiert. Trotzdem sollte man eine Wanderkarte mitnehmen, in der die Jakobswege eingezeichnet sind.
Richtungswechsel gefällig? Wer STATTzeitung mag, neigt vielleicht dazu gegen den Strom schwimmen zu wollen. Beim Jakobsweg ist das, zumindest ohne Karte, nicht einfach, denn markiert ist nur die Richtung nach Santiago, nicht die Gegenrichtung. An einer Kreuzung kann es für den Rückweg deshalb mehrere Möglichkeiten geben.
Die Wege, die wir gegangen sind, waren manchmal schmal oder/und matschig. Für Kinderwägen oder Rollstühle empfehlen wir sie deshalb nicht. Unterwegs gibt es mehrere Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten, deren Aufführung hier den Rahmen sprengen würde. Vesper und genügend Getränke mitzunehmen empfiehlt sich immer. Die Ortschaften auf der Strecke sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. An Wochenenden können die Verbindungen aber sehr mager ausfallen! Wer nicht mehr Zeit an der Bushaltestelle als auf der Wanderung verbringen möchte, sollte sich vorher gut informieren, ein Fahrrad deponieren oder einen „Telefonjoker“ einbauen.

Literaturtipp für diese Strecke:
„Der Jakobsweg von Rothenburg ob der Tauber bis Rottenburg am Neckar“ vom Jakobsweg-Team Winnenden, ISBN 978-3-00-014351-9. Das kleine Büchlein ist von den Leuten gemacht, die diesen Abschnitt markiert haben und enthält viele Details sowie Wissenswertes am Rande. Es ist so gut, dass man sich gleich eine Palette davon bestellen möchte (10 Euro/Stück), es ist aber auch in der Stadtbücherei Nürtingen ausleihbar. Dort gibt es auch sehr viel mehr weiterführende Literatur zum Thema.

Info: Die Jakobswege werden vom oben genannten Jakobsweg-Team Winnenden vor Saisonbeginn abgegangen, und fehlende Beschilderungen immer wieder angebracht. Von der Gruppe erhielten wir eine ergänzende Information, die wir gerne weitergeben: Die Gründe, warum diese Ost-Variante angelegt worden ist, waren: 1. das alte Jakobuskirchlein in Bodelshofen (sehenswert!), 2. der Jakobsbrunnen vor Frickenhausen, und 3. ein alter Bericht, dass im Gasthaus Löwen in Frickenhausen bis ins 18. Jahrhundert Zimmer für Jakobspilger frei gehalten worden sind.
 

 


Anzeigen



Impressum
© 2004-2017 Nürtinger STATTzeitung