Forum

  Nachrichten
Kommunalpolitik
Politik
Umwelt
Kultur
Stattzeitung aktuell
Sport
Nürtingen global
Jugend
Personalia
Verkehr
Arbeitswelt
Soziales
Geschichte
Bauen
Presseschau
Wirtschaft
Kurznachrichten
Zukunftsfähiges NT
NTegration
Veranstaltungstipp
Foto der Woche
EssBar
LesBar
Leserbriefe

  
Terminkalender
Veranstaltungen
Ausstellungen

  
Kulturtipps
Kneipentest
Bücher
Filme
Musik
Lyrik
Reisen
Hörbücher
NTouren
NThörBar
Musikmachende

  Schatzkästle
Fotogalerie
Fortsetzungsroman
Links
Was kochsch du?
Gabi Zapf (Roman)
Fundgrube
Rundschlag
Jahreszeiten
Hausmittel

  Über uns


 

  NThörBar
 
Das Zehnerglöckle
  Das Wahrzeichen von Nürtingen ist zweifellos die Stadtkirche mit ihrem Kirchturm. Die Spitze dieses Kirchturms ziert ein kleines aufgesetztes Türmchen. Darin hängt ein Glöckchen. Jeden Abend um zehn Uhr läutet es zur Nachtruhe, deshalb heißt es Zehnerglöckle. Es hat eine interessante Geschichte.

Das Zehnerglöckle hängt ganz alleine, von außen sichtbar, ganz oben in der Kirchturmspitze, während sich die anderen fünf Glocken in der Glockenstube des Turmes unterhalb des Balkons gesellen. Es hat einen hellen, wegen dem fehlenden Resonanzraum etwas scheppernden Klang, und schlägt die Viertelstunden. Sein großer Auftritt ist beim Zehnuhrläuten um 22 Uhr. Nach dem Zehn-Uhr-Schlagen der Kirchenglocken bimmelt das Zehner-Glöckle etwa zwei Minuten lang.

Download: Das Zehnerglöckle, eine Minute lang (mp3-Datei mit 470 KB)

Das war nicht immer so. Der Sage nach sollen sich vor vielen, vielen Jahren zwei Boten in einer bitterkalten Winternacht auf dem Weg von Bad Urach nach Nürtingen in den Wäldern des Tiefenbachtals hoffnungslos verlaufen haben. Eine junge Nürtingerin spürte die Gefahr, in der sich die Männer befanden, sicher spielte mit, dass sie einen davon sehnlichst erwartete. Sie läutete wie besessen eine Glocke am Kirchturm, die den beiden tatsächlich den Weg nach Nürtingen zeigte. Seit damals wird das Zehnerglöckle jeden Abend geläutet, so sagt man.

Die Geschichte wurde fast vergessen, und viele Jahre später erinnerte das Läuten im pietistischen Nürtingen die Menschen daran, um zehn Uhr abends die Arbeit ruhen zu lassen oder das Wirtshaus zu verlassen und nach Hause zu gehen. Das versucht das Glöckle heute noch immer. Wer acht gibt, kann das Glöckle von den verschiedenen Biergärten aus hören.

Fritz Benz, einer der letzten Bewohner des Kirchturms (oben, auf Ebene des Balkons befindet sich eine ehemalige kleine Wohnung ohne Klo), durfte als Kind helfen, die Glocken zu läuten. Er erzählt: „... Die große Glocke ging sehr leicht. Am Anfang brauchte man etwas Kraft, aber wenn sie im Schwung war, musste man immer nur ein bisschen mitgehen. Am schwersten war es mit dem Zehner-Glöckle. Um 22 Uhr war Nachtruhe und damit das jeder wusste, wurde das Glöcklein ... geläutet. Das Glockenseil hing bis in unser Kinderzimmer herunter und von dort wurde auch geläutet. Man brachte die Glocke jedoch nur mit einem besonderen Takt zum richtigen Klang. Den Takt gab ein alter Vers vor: Sauf aus, du Lomp, gang hoim du Lomp, sauf aus, du Lomp, gang hoim du Lomp... Wenn man diesen Vers in den richtigen Rhythmus brachte, konnte man das Zehner-Glöckle läuten ....“

Das Zehnerglöckle wird heute automatisch geläutet. Die spannende Geschichte über die kalte Winternacht, in der das Zehnerglöckle den Boten das Leben rettete, lesen die ehrenamtlichen Nürtinger Turmwächter zweimal jährlich ausführlich bei einer Vollmondlesung auf dem Kirchturm vor. Info und Anmeldung über den I-Punkt der Stadt Nürtingen.

Noch etwas: es wird oft behautet, das Zehnerglöckle läute auch um 6 Uhr morgens, begleitend zur Öffnung der Stadttore. Das tut es heutzutage nicht mehr. Muss es auch nicht, wie jeder weiß, sind die Tore inzwischen verschwunden.

Quellenangabe zur Erzählung von Fritz Benz:
... 198 Stufen (Broschüre über die Erinnerungen von Fritz Benz an das Leben als Bewohner des Kirchturms der Nürtinger Stadtkirche St. Laurentius)


 


Anzeigen



Impressum
© 2004-2017 Nürtinger STATTzeitung