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  Gabi Zapf (Roman)
 
Folge 1
 

Sie liegt auf der Wiese. Mit offenen Armen, offenen Beinen und offenen Augen schaut sie in den blauen Himmel. Über Ihre Nasenspitze gleitet ein Zug Wildgänse in ihr Blickfeld. Sie kann das Schwirren ihrer Flügel hören, als sie langsam niederkreisen. Aber - nein - ihre Augen weiten sich ungläubig und ihre Unterlippe reißt sich von ihrer Partnerin los - die Gänse fliegen gar nicht, Köpfe und Flügel weisen kraftlos gen Himel, während die schweren Federkörper zur Erde fallen. Jeden Moment müssen die Kadaver auf sie niederstürzen, aber Gabi kann sich nicht vom Fleck rühren. Kurz bevor es soweit ist kneift sie die Augen zusammen, zieht die Arme und Beine an die Brust und dreht sich zur Seite. Dan passiert es. Wie von einer einheitlichen Masse wird sie von den toten Gänsen bedeckt und in der Ferne schrillen die Alarmglocken. Die Rettung muß schon nahe sein, die Glocke schrillen direkt an ihrem Ohr.
Gabi Zapf schreckt aus dem Schlaf - 6.00 Uhr morgens. Sie haut dem Wecker auf die Bimmel. Aber da sind immer noch die Gänse, mit ihren Federn wollen sie Gabi im Bett festhalten. Mit geübtem Griff (Wen-Do-Kurs im JaB) befreit sie sich. Langsam beginnt sie widerwillig in das Licht der Straßenlaterne vor ihrem Fenster zu blinzeln. Es regnet. „oh no“ denkt sie und spürt plötzlich ein unangenehmes Kribbeln im Bauch, das sich fast bis zum Würgereiz steigert. Ihr Körper weigert sich. „Arbeiten“ sagt sie zu sich selbst, „den ganzen Tag arbeiten und das vielleicht noch vierzig Jahre - wenn Neckarwestheim nicht vorher in die Luft fliegt!“ Es ist ihr unvorstellbar ein Leben lang jeden Morgen dieses Kribbeln zu spüren und dieses „Oh no“ zu denken. Dennoch steht sie auf. Automatisch schaltet sie das Licht an. Auf dem Weg in ihr rosageplätteltes Bad versuchen ihr die gestern achtlos auf den Boden geworfenen Klamotten ein Bein zu stellen. Im Vorübergehen wirft sie die Kaffeemaschine an. Auf der Klobrille schläft sie fast wieder ein und kann nur mit Mühe verhindern, daß sich ihre Pobacken in dem sanften Oval festsaugen. Aus dem Spiegel starren sie dunkel geränderte, rot unterlaufene Augen an. Wie soll aus dem zerknitterten Gesich heute noch was brauchbares werden?
Mittlerweile ist bereits der Nica-Kaffee durch den Bio-Filter gelaufen. Gabis Lebensgeister erwachen. sie atmet den Kaffee-Duft ein, der heiße Dampf glättet ihre Falten. Der erste Schluck bringt sie wieder in die Gänge. Ein Blick auf die Uhr (6.30) treibt sie zur Eile. Hastig wirft sie sich ihren Day-Pack über die Schultern und springt aus dem Haus. Entsetzt bleibt sie stehen. Die kalte Morgenluft sagt ihr: was sie sieht kann kein Traum sein!


 


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