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Ein guter Tag im Leben des Omar Pascha
 

Es war einmal vor langer Zeit in einem fernen Land (alter Trick bei zeitkritischer Glosse. Aber diesmal ist wirklich was passiert!) als Sultan Omar Pascha der umschränkte Herrscher eines kleinen Provinzstaates war.

Ein Vierteljahr vor dem guten Tag des Sultan Omar Pascha hatte der Großwezir dem kleinen Provinzstaat (kurz nachdem er trotz fehlender Konkurrenz nur knapp in seinem Amt bestätigt wurde) ade gesagt, um Großwezir in einem etwas größeren Provinzstaat zu werden. Da der Großwezir den kleinen Provinzstaat eine Menge Geld gekostet hatte – wenn auch seiner Ansicht nach nicht genug - meldeten sich die Kassenwächter der im Rat stark vertretenen religiösen Stämme zu Wort und überzeugten die weniger stark vertretenen Stämme, den Job des Großwezir nur noch mit einem Kleinwezir zu besetzen.

Das liess sich Sultan Omar Pascha nicht zweimal sagen und so ging bald aus den Ländern vom Meer bis zu den blauen Bergen eine mittelgroße zweistellige Anzahl von Bewerbungen ein. Sultan Omar Pascha ist mächtig zufrieden über die Ausbeute, hat er doch nach der eierlegenden Wollmilchsau gesucht, die vieles von dem kann, was der entfleuchte Großwezir konnte und noch dazu das, was dieser nicht konnte: sparen. Denn Sparen ist in dem kleinen Provinzstaat eine Tugend, die der Großwezir nach Ansicht der hinterbliebenen Räte und Ratlosen aus den Stämmen nicht beherrschte, reiste jener doch regelmäßig zu seinem persönlichen Möbelhändler bis in die Toskana, von der man bis dato in dem kleinen Provinzstaat noch nie etwas gehört hatte.

Sultan Omar Pascha war also sehr zufrieden und liess verkünden, er wolle eine knapp zweistellige Zahl an Extra-Gut geeigneten Kleinweziren zu einem Pläuschlein auf dem Diwan einladen, auf dass man sich mal kennen lerne, so dass er dem Rat der Stämme eine kleine einstellige Zahl wirklich hervorragend Extra-Gut geeigneter Fachleute zur Wahl präsentieren könne. Diese Rechnung hatte Sultan Omar Pascha allerdings ohne die – wie wir nun schon wissen - maßgeblich im Rat der Stämme vertretene Gottesfürchtigen gemacht: zwar sollte nur noch ein Kleinwezir gesucht werden, aber um den Größten unter den Kleinen zu finden, wollten sie an der Suche beteiligt sein. Zwei Monate vor dem guten Tag des Sultan Omar Pascha überzeugten sie die weniger stark vertretenen Stämme, eine Spezialgruppe zu gründen, um mit der Lupe einen geeigneten Kleinwezir zu suchen.

Das war für Sultan Omar Pascha nun nicht ganz so doll gelaufen, aber sein guter Tag lag ja noch vor ihm.

Beim nächsten Vollmond befasste sich die Spezialgruppe mit der knapp zweistelligen Zahl an Extra-Gut Geeigneten, indem sie also zu einem Pläuschlein auf dem Diwan einlud. Aus der knapp zweistelligen Zahl wurde sodann ein erlesenes Häuflein hervorragend Extra-Gut geeigneter Fachmänner auserwählt. In weiteren Diwan-Gesprächen nutzte Sultan Omar Pascha die Gelegenheit, um herauszufinden, ob die potenziellen zukünftigen Kleinwezire vielleicht die Bedeutung von Begriffen wie „innere Werte“ oder „Zweifel“ kannten, die dem Sultan völlig fremd waren. Schließlich war er sicher, den richtigen Mann für den Posten seines Kleinwezirs gefunden zu haben.

Der gute Tag des Sultan Omar Pascha kam. Sultan Omar Pascha erwachte aus einem tiefen Schlaf, wie er eigentlich nur den Gerechten vergönnt ist. Seine gute Laune stieg beim Blick in den Tageskalender, stand dort doch: „Rat der Stämme: Wahl des Kleinwezirs!“ Der beste Moment des guten Tages im Leben des Sultan Omar Pascha zog unweigerlich herauf, da konnte kommen was wollte.

Die potenziellen Kleinwezire präsentierten zum ersten Mal vor dem gesamten Rat der Stämme ihre Kunstfertigkeiten. Einer konnte Jauche in klares Wasser verwandeln, der andere wollte dieses Wasser trockenen Fußes überqueren und der dritte konnte ein Haus aus Karten bauen (oder war es umgekehrt?). Anschließend mussten sie ihr Wissen in einem anspruchsvollen Quiss (beliebtes Ratespiel in dem kleinen Provinzstaat) unter Beweis stellen. Dabei ging es darum, wer auf einem runden Platz zuerst um die Ecke biegen darf, in welchem Gewerbe ein fliegender Teppich-Händler Abgaben zahlen muss und wie viele Untergebene erforderlich sind, um morgens die Sonne aufgehen zu lassen.

Die Darbietungen der Kandidaten wurden spontan mehr oder weniger enthusiastisch vom Harem des Sultan Omar Pascha mit ausdrucksvoller Mimik, Gestik und allerlei tänzerischen Einlagen begleitet.

Schließlich war die Vorstellung beeindet - aus die Maus und Vorhang runter - und die Zwiesprache unter den Räten und dem Sultan Omar Pascha unter reger Beteiligung des Hofstaates konnte beginnen. Sultan Omar Pascha ließ trotz der kunstfertigen Darbietungen kein gutes Haar an den Kandidaten. Und den Räten wurde klar, dass sie keinen Glatzköpfigen mit dem Amt des Kleinwezirs bestallen konnten. So hatte der Sultan sich das vorgestellt.

Und das war der gute Tag im Leben von Sultan Omar Pascha.

Gleich am folgenden Tag ließ er verkünden, dass keiner der Möchtegern - Kleinwezire geeignet gewesen sei, die Nachfolge des Großwezirs anzutreten (welcher inzwischen seinen persönlichen Möbelhändler aus der Toscana zu sich nach Hause bestellt, um sich die Mühsal der Reise zu ersparen).

Aber war es wirklich nur Verblendung gewesen, durch die der Sultan und die Spezialgruppe die knapp zweistellige Zahl Extra-Gut Geeigneter auserkoren hatte, aus der sie ein erlesenes Häuflein hervorragend Extra-Gut geeigneter Fachmänner gewählt hatte, von denen nun keiner als wirklichausnehmendhervorragend Extra-Gut geeigneter Fachmann „extrahiert“ werden konnte? Oder wollte der Sultan nur verhindern, dass sein WkW (WunschKleinWezir) nicht auserwählt wurde und dann lieber noch eine Weile ohne linke Hand den kleinen Provinzstaat regieren wollte?

Das weiß nur der Sultan Omar Pascha. Vielleicht ist auch genau das der Grund, warum es der beste Moment seines guten Tages war. Leider nur seines Tages, denn für die Kandidaten war es kein so guter Tag, haben sie doch den quasi öffentlichen Verlust ihres Haupthaares zu beklagen. Auch der Rat der Stämme wird diesen Tag  nicht in guter Erinnerung behalten, tut ihm doch heute noch sein Schienbein weh.

Sultan Omar Pascha aber klopfte sich fröhlich auf die Schenkel und beendete den Tag in den Armen einer seiner geliebten Ehefrauen.

Vorsicht Satire! Den Nürtinger Rundschlag ist nur für Menschen verständlich, die Spaß verstehen und vertragen. Ähnlichkeiten mit lebenden oder ehemals lebenden Personen sind immer rein zufällig und nicht beabsichtigt. Die Redaktion übernimmt keinerlei Verantwortung.


 


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